Anschreiben ohne Floskeln.

Aufbau nach DIN 5008, ein Einstieg ohne Floskeln, ein Hauptteil mit Belegen und ein Schluss, der zum Gespräch einlädt. Mit Beispielen und Checkliste.

8 Min. LesezeitStand: 27. Oktober 2026
Inhalt · 9 Abschnitte+
  1. 01Braucht man es noch?
  2. 02Aufbau nach DIN 5008
  3. 03Der Einstieg
  4. 04Der Hauptteil
  5. 05Der Schluss
  6. 06Ton, Länge, Anrede
  7. 07Initiativbewerbung
  8. 08Häufige Fehler
  9. 09Häufige Fragen

Braucht man das Anschreiben noch?

Immer mehr Unternehmen verzichten auf das klassische Anschreiben oder machen es freiwillig. Trotzdem ist es oft der einzige Ort, an dem du erklären kannst, warum du genau diese Stelle willst.

Der Lebenslauf zeigt, was du gemacht hast. Das Anschreiben verbindet es mit der neuen Stelle: Welche deiner Erfahrungen helfen dort? Was reizt dich am Unternehmen? Und was bringst du mit, das nicht sofort im Lebenslauf steht?

Der Aufbau nach DIN 5008

Die DIN 5008 regelt, wie Geschäftsbriefe in Deutschland aussehen. Du musst sie nicht auswendig kennen, aber diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  1. 01

    Absender

    Dein Name und deine Kontaktdaten, oben links oder im Briefkopf.
  2. 02

    Empfänger

    Unternehmen, Ansprechperson und Anschrift.
  3. 03

    Ort und Datum

    Rechtsbündig, zum Beispiel „Stuttgart, 27. Oktober 2026“.
  4. 04

    Betreff

    Fett und ohne das Wort „Betreff“: „Bewerbung als Projektmanagerin, Kennziffer 4711“.
  5. 05

    Anrede

    Möglichst persönlich: „Sehr geehrte Frau Brandt,“
  6. 06

    Text

    Einstieg, Hauptteil und Schluss, zusammen etwa eine Drittel- bis halbe Seite.
  7. 07

    Grußformel und Name

    „Mit freundlichen Grüßen“, darunter dein Name, bei Papierbewerbungen mit Unterschrift.
  8. 08

    Anlagen

    Optional: „Anlagen: Lebenslauf, Zeugnisse“.

Der Einstieg

Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. „Hiermit bewerbe ich mich …“ steht in Tausenden Briefen und verschenkt diese Chance. Besser: Steig direkt mit etwas ein, das dich und die Stelle verbindet.

So geht's

  • Ein konkreter Bezug zum Unternehmen oder Produkt
  • Deine wichtigste Qualifikation für genau diese Stelle
  • Ein Gespräch, eine Messe oder eine Empfehlung, wenn es eines gab

Lieber nicht

  • „Hiermit bewerbe ich mich auf Ihre Stelle …“
  • „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen …“
  • Eine Nacherzählung des Lebenslaufs
Beispiel für einen Einstieg

Sehr geehrte Frau Brandt,

seit drei Jahren sorge ich bei dm dafür, dass Kund:innen gut beraten und Regale nie leer sind. Als Filialleiterin bei Ihnen möchte ich diese Erfahrung nutzen, um ein Team aufzubauen, das genauso gern berät wie ich.

Der Hauptteil

Hier lieferst du die Belege. Nimm dir die Stellenanzeige vor und markiere die drei wichtigsten Anforderungen. Zu jeder schreibst du, wo du genau das schon gezeigt hast, am besten mit einem konkreten Beispiel.

Behaupten oder belegen?

„Ich bin kommunikationsstark“ ist eine Behauptung. „Ich habe wöchentlich Besprechungen mit sechs Abteilungen moderiert“ ist ein Beleg. Personaler:innen glauben Belegen.

Beispiel für einen Absatz im Hauptteil

In meiner Ausbildung bei REWE und den drei Jahren danach habe ich Warenannahme, Inventur und Kassenabrechnung eigenständig verantwortet. Dabei habe ich drei Auszubildende eingearbeitet und die Inventur auf Handscanner umgestellt, was den Aufwand etwa halbiert hat. Genau diese Mischung aus Organisation und Teamführung sehe ich in Ihrer Stelle.

Anschreiben in Minuten

Jobrezept formuliert deinen Text aus deinen Stationen und der Stellenanzeige. Ohne erfundene Fakten.

Der Schluss

Der Schluss ist kurz und selbstbewusst. Er sagt, dass du dich auf ein Gespräch freust, und nennt, falls gefragt, deinen frühesten Eintrittstermin und deine Gehaltsvorstellung.

So geht's

  • „Ich freue mich darauf, Sie in einem persönlichen Gespräch kennenzulernen.“
  • „Ich kann zum 1. März 2027 bei Ihnen starten.“

Lieber nicht

  • „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich eventuell einladen würden.“
  • „Über eine positive Rückmeldung würde ich mich freuen.“

Vermeide den Konjunktiv. „Ich würde mich freuen“ klingt unsicher. „Ich freue mich“ klingt nach jemandem, der weiß, was er kann.

Ton, Länge und Anrede

  • Länge: eine Seite, drei bis vier Absätze. Lieber kürzer und konkret als lang und allgemein.
  • Ton: passend zum Unternehmen. Eine Bank liest gern „Sehr geehrte …“, ein Start-up auch mal „Hallo …“. Die Stellenanzeige verrät, wie das Unternehmen spricht.
  • Ich-Form ohne Ich-Anfang: Nicht jeder Satz sollte mit „Ich“ beginnen. Variiere den Satzbau.
  • Aktiv statt passiv: „Ich habe eingeführt“ statt „es wurde von mir eingeführt“.
  • Ansprechperson: Wenn ein Name in der Anzeige steht, nutze ihn. Achte auf die richtige Schreibweise und den Titel.

Die Initiativbewerbung

Bei einer Initiativbewerbung gibt es keine Stellenanzeige. Deshalb muss das Anschreiben zwei Dinge leisten: zeigen, warum genau dieses Unternehmen, und vorschlagen, wo du dort helfen kannst.

  1. 01

    Unternehmen verstehen

    Lies Karriereseite, News und Social Media. Welche Projekte, welche Pläne, welche Probleme?
  2. 02

    Bereich benennen

    Schreib, in welchem Team oder für welche Aufgabe du dich siehst. „Irgendwas bei Ihnen“ überzeugt niemanden.
  3. 03

    Mehrwert zeigen

    Verbinde deine Erfahrung mit dem, was das Unternehmen gerade vorhat.
  4. 04

    Nachfassen

    Melde dich nach zwei bis drei Wochen freundlich, wenn keine Antwort kommt.

Häufige Fehler

Besser so

  • Ein Text pro Stelle, auf die Anzeige zugeschnitten
  • Konkrete Beispiele mit Zahlen
  • Firmenname überall richtig geschrieben
  • Eine Seite, sauber gegliedert

Häufiger Fehler

  • Serienbrief mit falschem Firmennamen
  • Eigenschaften ohne Belege
  • Wiederholung des Lebenslaufs
  • Zwei Seiten Fließtext ohne Absätze

Bevor du abschickst

  • Ansprechperson und Firmenname richtig geschrieben?
  • Betreff mit Stellentitel und ggf. Kennziffer?
  • Einstieg ohne „Hiermit bewerbe ich mich“?
  • Drei Anforderungen der Anzeige mit Beispielen belegt?
  • Schluss ohne Konjunktiv, Termine und Gehalt nur wenn gefragt?
  • Auf eine Seite gekürzt und als PDF gespeichert?

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Anschreiben sein?+

Eine Seite. Inhaltlich reichen meist drei bis vier kurze Absätze. Wer mehr schreibt, wird selten gründlicher gelesen.

Wie beginne ich ein Anschreiben, wenn ich keinen Namen habe?+

Recherchiere zuerst: Oft steht die Ansprechperson in der Anzeige, auf der Karriereseite oder bei LinkedIn. Ein kurzer Anruf hilft auch. Findest du niemanden, ist „Sehr geehrte Damen und Herren“ in Ordnung, in jungen Unternehmen auch „Hallo liebes Team von …“.

Muss ich eine Gehaltsvorstellung angeben?+

Nur, wenn die Stellenanzeige danach fragt. Dann nennst du im Schluss einen Jahresbruttobetrag, gern als Spanne, zum Beispiel „52.000 bis 56.000 Euro brutto im Jahr“.

Darf ich ein Anschreiben für mehrere Bewerbungen verwenden?+

Den Grundaufbau ja. Einstieg und Hauptteil solltest du aber für jede Stelle anpassen. Personaler:innen erkennen Serienbriefe sofort.

Ist ein Anschreiben bei Online-Formularen nötig?+

Wenn es ein Pflichtfeld oder ausdrücklich erwünscht ist, ja. Ist es optional, kann ein kurzes, gezieltes Anschreiben trotzdem den Unterschied machen, vor allem beim Quereinstieg.

Genug gelesen?

Jetzt einfach machen.

Lebenslauf und Anschreiben, Frage für Frage. Kostenlos, ohne Account, ohne Wasserzeichen.

Weiterlesen.

Alle Ratgeber →