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Wozu der Lebenslauf da ist
Der Lebenslauf ist das wichtigste Dokument deiner Bewerbung. Er wird oft zuerst geöffnet und beim ersten Durchsehen nur überflogen. In dieser kurzen Zeit muss klar werden: Wer bist du, was kannst du, und passt das zur Stelle?
Ein guter Lebenslauf erzählt deshalb keine Geschichte, sondern macht es Lesenden leicht. Er ist klar gegliedert, nennt Fakten statt Floskeln und stellt das nach vorne, was für die Stelle zählt. Das Anschreiben erklärt das Warum, der Lebenslauf liefert die Belege.
1–2
Seiten sind für die meisten Bewerbungen ideal
3–5
Stichpunkte pro Station reichen meistens aus
0
Pflichtangaben zu Foto, Alter oder Familienstand
Der Aufbau
In Deutschland hat sich der tabellarische Lebenslauf durchgesetzt, und zwar in umgekehrt chronologischer Reihenfolge: Das Neueste steht oben. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- 01
Kopfbereich mit Kontaktdaten
Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Wohnort. Eine vollständige Anschrift ist kein Muss mehr, der Ort reicht oft. - 02
Kurzprofil (optional)
Zwei, drei Sätze ganz oben: wer du beruflich bist, was du besonders gut kannst und wohin du willst. Gerade bei Quereinstieg oder viel Erfahrung hilft das sehr. - 03
Berufserfahrung
Deine Stationen mit Zeitraum, Position, Unternehmen und den wichtigsten Aufgaben und Erfolgen. Praktika, Werkstudentenjobs und Ausbildung im Betrieb gehören auch hierher. - 04
Ausbildung
Studium, Berufsausbildung, Schulabschluss. Mit Abschluss, Schwerpunkt und, wenn sie gut ist, der Note. - 05
Kenntnisse und Sprachen
Fachwissen, Software, Werkzeuge und Sprachen mit realistischer Einstufung, zum Beispiel nach dem europäischen Referenzrahmen (B2, C1). - 06
Weiteres
Führerschein, Zertifikate, Ehrenamt und Interessen, aber nur, wenn sie etwas über dich aussagen.
Stationen richtig beschreiben
Bei den Stationen entscheidet sich, ob dein Lebenslauf überzeugt. Die Bezeichnung „Sachbearbeiterin“ allein sagt wenig. Erst die Stichpunkte zeigen, was du wirklich gemacht hast.
So ist eine Station aufgebaut
- Zeitraum im Format MM/JJJJ, zum Beispiel 04/2021 – heute
- Position so, wie sie im Arbeitsvertrag oder Zeugnis steht
- Unternehmen und Ort
- 3 bis 5 Stichpunkte mit Aufgaben, Verantwortung und Ergebnissen
Ergebnisse statt Aufgaben
Aufgaben beschreiben, was zu tun war. Ergebnisse zeigen, was du bewirkt hast. Wo es geht, helfen Zahlen: Wie viele Kund:innen, wie groß das Team, wie viel schneller ein Ablauf wurde.
So geht's
- Beratung von rund 120 Kund:innen pro Tag an der Kasse und im Verkauf
- Einarbeitung von drei neuen Auszubildenden
- Umstellung der Inventur auf Handscanner, Zeitaufwand halbiert
Lieber nicht
- Zuständig für Kunden
- Verantwortlich für Azubis
- Diverse Aufgaben im Bereich Inventur
Keine Lust auf Formatieren?
Jobrezept fragt dich Station für Station ab und setzt alles automatisch in ein sauberes Layout.
Länge und Design
Ein bis zwei Seiten reichen fast immer. Kürzer heißt dabei nicht schlechter: Lieber drei starke Stichpunkte als sieben, die niemand liest. Ältere oder unwichtige Stationen kannst du auf eine Zeile kürzen.
Was gutes Design ausmacht
- Lesbarkeit: eine klare Schrift, 10 bis 12 Punkt im Fließtext, genug Zeilenabstand
- Weißraum: Ränder und Abstände machen das Dokument ruhig und hochwertig
- Eine Akzentfarbe für Überschriften oder Linien, nicht fünf
- Einheitlichkeit: gleiche Datumsformate, gleiche Abstände, gleiche Schreibweise
Kreative Layouts mit Grafiken und Balken für Kenntnisse wirken auf den ersten Blick modern. Sie sind aber schwer zu vergleichen und werden von Software oft falsch gelesen. In kreativen Berufen darf es mutiger sein, sonst ist schlicht und hochwertig die sichere Wahl.
Foto und persönliche Angaben
Lange gehörten Foto, Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand und Religion in jeden deutschen Lebenslauf. Das hat sich geändert. Wegen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) dürfen Arbeitgeber nach vielen dieser Angaben gar nicht fragen.
- Foto: freiwillig. Wenn, dann professionell, aktuell und freundlich, kein Urlaubsbild.
- Geburtsdatum: freiwillig. Viele lassen es heute weg.
- Familienstand, Religion, Kinder: gehören nicht in den Lebenslauf.
- Staatsangehörigkeit: nur relevant, wenn es um eine Arbeitserlaubnis geht.
Lücken im Lebenslauf
Kaum ein Werdegang verläuft ohne Pause. Lücken sind kein Problem, solange sie nicht wie ein Versteckspiel wirken. Kurze Zeiträume von wenigen Monaten, zum Beispiel zwischen Studium und erstem Job, musst du nicht erklären.
Bei längeren Pausen hilft eine kurze, ehrliche Zeile im Lebenslauf selbst:
03/2023 – 02/2024 · Elternzeit
06/2022 – 01/2023 · Berufliche Neuorientierung, Weiterbildung „Projektmanagement Grundlagen“ (IHK)
Alles, was du in einer Pause gelernt oder getan hast, darfst du nennen: Weiterbildungen, Sprachkurse, Ehrenamt, Pflege von Angehörigen. Das zeigt Verantwortung und Eigeninitiative.
Bewerbermanagementsysteme (ATS)
Viele Unternehmen nutzen Software, um Bewerbungen zu sammeln und zu sortieren. Diese Systeme lesen deinen Lebenslauf maschinell aus. Damit das funktioniert, sollte dein Dokument ein paar Regeln beachten:
- Echtes Text-PDF statt Scan oder Foto, damit der Text auslesbar ist
- Übliche Überschriften wie „Berufserfahrung“, „Ausbildung“ und „Kenntnisse“
- Keine wichtigen Inhalte in Bildern oder Grafiken
- Begriffe aus der Stellenanzeige aufgreifen, wenn sie auf dich zutreffen
- Klare Dateinamen wie „Lebenslauf_Lea_Brandt.pdf“
Häufige Fehler
Besser so
- Ein einheitliches Datumsformat
- Konkrete Stichpunkte mit Ergebnissen
- Eine seriöse E-Mail-Adresse mit deinem Namen
- Ein PDF mit klarem Dateinamen
Häufiger Fehler
- Mal „2021“, mal „März 21“, mal „03/2021“
- Floskeln wie „teamfähig und belastbar“
- partyqueen99@… als Kontaktadresse
- Word-Datei mit verrutschtem Layout
Bevor du abschickst
- Kontaktdaten aktuell und vollständig?
- Neueste Station steht oben?
- Jede Station mit Zeitraum, Position, Unternehmen?
- Rechtschreibung von einer zweiten Person geprüft?
- Auf die Stelle zugeschnitten, Unwichtiges gekürzt?
- Als PDF gespeichert und einmal geöffnet?
Häufige Fragen
Wie lang darf ein Lebenslauf sein?+
Für die meisten Bewerbungen sind ein bis zwei Seiten ideal. Berufseinsteiger:innen kommen meist mit einer Seite aus, mit langer Berufserfahrung sind zwei Seiten üblich. Drei Seiten und mehr lohnen sich nur in Ausnahmefällen, etwa in der Wissenschaft.
Muss ein Foto in den Lebenslauf?+
Nein. In Deutschland ist ein Bewerbungsfoto keine Pflicht, Arbeitgeber dürfen es wegen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes auch nicht verlangen. Wenn du eines nutzt, dann ein aktuelles, professionelles Foto.
Gehört eine Unterschrift unter den Lebenslauf?+
Sie ist nicht mehr nötig. Bei Online-Bewerbungen fehlt sie meistens. Wenn du unterschreibst, dann mit Ort und Datum, passend zum Anschreiben.
In welcher Reihenfolge stehen die Stationen?+
Üblich ist die umgekehrt chronologische Reihenfolge: Die aktuellste Station steht oben. So sieht man sofort, was du zuletzt gemacht hast.
Wie erkläre ich eine Lücke im Lebenslauf?+
Kurz und ehrlich, direkt im Lebenslauf. Zum Beispiel: „Elternzeit“, „Pflege eines Angehörigen“ oder „Berufliche Neuorientierung, Weiterbildung in Excel“. Lücken von wenigen Monaten musst du nicht erklären.